Projekt Baudenkmal

Wärmedämm-Verbundsystem WDVS

Oberflächentemperaturen (aus 124) - Bild anklicken zum Vergrößern
Oberflächentemperaturen

Einige mögliche NACHTEILE des Wärmedämm-Verbundsystem:

1. Algenbildung: Wenn in der Nacht die solare Wärmestrahlung fehlt, sinkt die Oberflächentemperatur bei einem Wärmedämm-Verbundsystem sehr schnell unter die Taupunkttemperatur, da die Wärmespeicherung fehlt. Es bildet sich Tauwasser auf der Fassadenfläche (124). Der Effekt ist der gleiche, wie bei einem Auto auf der Frontscheibe. Nebenstehende Abbildung zeigt die Oberflächentemperatur einer ungedämmten und einer gedämmten Wand. Bei der massiven Wand ohne WDV-System wird der Taupunkt nicht unterschritten. Je länger die Fassade feucht bleibt, umso schneller führt dies zum Algenwachstum.

2. Umweltschädigung: Algenwachstum (aus Punkt 1) kann durch Biozide im Putz oder in der Außenfarbe für die ersten Jahre vermieden werden (Meist 5 Jahre. Stichwort: Haftung, Gewährleistung). Da die Biozide im Anstrich jedoch wasserlöslich sind, sind sie nach einigen Jahren ausgewaschen und damit werden Sie unwirksam. Dabei entsteht das Problem, dass die Biozide, wie zum Beispiel Terbutryn, durch Auswaschungen in die Gewässer gelangen. Sie sind bereits heute in Gewässern nachweisbar. So ist das Umweltbundesamt durch Zufall auf die Werte für Terbutryn in Gewässern gestoßen. Am Einlauf der Spree in Berlin beträgt die Jahresfracht ca 300 g im Jahr, am Auslauf in Potsdam schon 3900 g pro Jahr. Die Belastung ist jedoch höher, da sich die Gifte auf dem Grund absetzen.

Abb.2: Wasseraufnahme eines WDVS durch Risse [134] - Bild Anklicken zum Vergrößern
Wasseraufnahme eines WDVS

3. Rissebildung: Die dünne Putzfläche auf der Wärmedämmung kühlt Nachts sehr schnell ab und kann unter die Umgebungstemperatur fallen, andererseits heizt sich die Oberfläche von Wärmedämm-Verbundsystemen bei Sonneneinstrahlung extrem auf, da durch die Wärmedämmung die Hitze von der Putzfläche nicht an die innenliegende Wand übertragen werden kann. Durch die extremen Temperaturschwankungen entstehen feine Risse in der Oberfläche. Auch die Versprödung der Oberfläche durch Auswaschen von Netz- und Verdickungsmittel führt zu feinen Rissen.

4. Verlust der Dämmwirkung: Durch die feinen Risse (siehe 2) in der Putzschicht kann das Tauwasser (siehe 1) in die Dämmschicht eindringen, aber auch bei Regen tritt Wasser ein. Da die feuchte Dämmung durch den "wasserdichten" Außenputz sehr schlecht wieder trocknen kann, sammelt sich immer mehr Feuchtigkeit an. Wieviel Wasser je nach Größe der Risse eindringen kann zeigt Abbildung 2 [134, Seite 59]. Eine feuchte Dämmschicht verliert jedoch ihre Wärmedämmfähigkeit.

Feuchtigkeit kann natürlich auch von Innen kommen (siehe Beispiel Glaser-Verfahren). Ein Effekt der verwendeten Kunstharzputze ist, dass der Sd-Wert bei einer trockenen Putzschicht 2- bis 5-mal höher ist als bei einem feuchten Kunstharzputz [133, Seite 38]. Der angegebene Sd-Wert nach DIN 52615 wird nach dem Feuchteverfahren ermittelt. Somit ist die Dampfdurchlässigkeit bei Sonnenschein nur die Hälfte bis ein Fünftel, wodurch die Trocknung der Wand verringert wird.

5. Schimmelpilzbefall: Die feuchte Dämmschicht (siehe 4) führt auf längere Sicht auch zu einer Durchfeuchtung der Innenwand. Feuchtigkeit tritt z.B über die Bohrlöcher der Befestigungsdübel ein. Auf der feuchten Innenwand kommt es dann zum Schimmelpilzbefall, bei Holzkonstruktionen auch zum Hausschwamm.

6. Erhöhte Brandgefahr: Bei Wärmedämm-Verbundsystemen aus Polystyrol Hartschaum (EPS) besteht zudem erhöhte Brandgefahr. Beispiel ARD in Panorama am 05.07.2012 22:30 Uhr : Wärmedämmung: Wie aus Häusern Brandfallen werden.

7. Heizenergie-Verbrauch: In einer Untersuchung über den effektiven Wärmeschutz, des Fraunhover Institut für Bauphysik in der Außenstelle Holzkirchen, wurde der Heizverbrauch einer monolithischen 49 cm dicken Ziegelwand und einer 24 cm dicken Ziegelwand mit 23 cm Außendämmung verglichen (123, Blatt 39). Über einen Zeitraum von mehr als 2 Jahren wurde der Heizenergie-Verbrauch gemessen. Die erwarteten niedrigeren Heizenergie-Verbräuche wurden jedoch nicht erreicht (123, Blatt 25). Die außen gedämmte Wand hatte einen K-Wert von 0,16 und die ungedämmte Ziegelwand einen einen K-Wert von 0,46. Obwohl der K-Wert bei der mit Polystyrol gedämmten Wand wesentlich besser war, war die Leistung zum Heizen bei der ungedämmten Ziegelwand geringer !

In einer Cambridge-Studie (125) wurden 3400 Gebäude untersucht. Es wurden Unterschiede zwischen den errechneten und den wirklichen Verbräuchen festgestellt. Schlecht isolierte Gebäude haben wesentlich kleinere Verbräuche als errechnet und gedämmte Gebäude höhere Werte als errechnet.

Links:

NDR in 45 Min am 26.11.2012 21:00 Uhr : Wärmedämmung - Der Wahnsinn geht weiter (Nicht mehr abrufbar)

ARD in Panorama am 28.10.2014 21:15 Uhr : Ignorierte Gefahr: Gift in Wärmedämmung

ARD in Panorama am 16.10.2014 21:45 Uhr : Hausdämmung unbezahlbar: Politik hat kein Einsehen

NDR in Panorama 3 am 09.10.2012 12:30 Uhr : Häuser-Dämmung: Gifte in der Fassade

ZDF Zoom vom 07.08.2013 Dämmwahn oder Klimarettung ? (zur Unwirtschaftlichkeit, Löcher durch Spechte, Algen, Biozide und Cambridge Studie)


[125] Minna Sunikka-Blank und Ray Galvin Introducing the prebound effect: the gap between performance and actual energy consumption ;Building Research & Information, 40:3, 260-273; 2012

[123] Fraunhofer-Institut für Bauphysik: Untersuchungen über den effektiven Wärmeschutz B Ho 8/83-11; 1983

[124] Fraunhofer-Institut für Bauphysik: IBP-Mitteilung 438: Einfluss der Außenwandkonstruktion auf nächtliche Betauung und mikrobiellen Bewuchs ; 2004

[133] Helmut Künzel: Schäden an Putzfassaden ; Fraunhofer IRB Verlag Stuttgart 1994; ISBN: 3-8167-4148-7

[134] Aachener Bausachverständigentage 2004: Risse und Fugen in Wand und Boden; Vieweg & Sohn Verlag Wiesbaden 2005; ISBN: 978-3-528-01764-4

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