Keene-Cement, Marmorcement oder Alaungips

Alaungips oder Keene-Cement ist ein Gips der dazu benutzt wird, Marmor nachzubilden. Abbildung 1 zeigt den Keene-Cement im Schloss Fürstenstein (poln: Ksiąź) in Niederschlesien bei Waldenburg. Er wird auch Marmor-Cement oder nach seinem Erfinder Keene: "Keen's marble cement" genannt. Das Patent wurde am 27. Februar 1843 von Keene, Wyne und Greenwood angemeldet [84, Seite 286]. In Kirchen sind Marmorflächen und Marmor-Säulen oft nicht aus Marmor sondern nur mit Marmorcement verputzt. Der Marmorzement hat eine extrem harte und polierbare Oberfläche.

Herstellung

Nach dem Brennen wird der Gipskalk nicht gemahlen, sondern die gebrannten Gipskalk-Stücke in einer Alaunlösung eingeweicht. Das Mischungsverhältnis für die Lösung beträgt 1 Teil Alaun und 12 bis 13 Teile Wasser. Nach dem Erhärten wird er nochmals gebrannt und erst danach gemahlen. Zum Anrühren wird Wasser oder Alaunwasser verwendet. Mit Alaunwasser erhärtet er langsamer. Die Herstellung wird 1837 wie folgt beschrieben [48, Seite 455] :

"Man nehme eine Quantität Gyps oder schwefelsauren Kalk, befreit es durch die Hize von seinem Krystallisations-Wasser, so wie es auch bei dem im Handel vorkommenden Pariser Stuck geschieht. In ein der Quantität Gyps angemessenes Gefäß komt eine Anzahl Quart Wasser, worin ein Pfund Alaun aufgelöst worden ist; hierein kommt der Gyps und bleibt solange darin, bis er soviel Flüssigkeit als möglich aufgenommen hat. Wenn die Masse mit Flüssigkeit gesättigt ist, wird sie herausgenommen, an freier Luft getrocknet und sodann in einem Ofen mit einer bei Tage sichtbaren Rothglühhize calcinirt, um den Alaun zu fixiren. Das Product wird dann zu einem Pulver gerieben und nöthigen Falls gesiebt".

Eigenschaften

Der Alaungips ist mindestens so hart wie Marmor oder Alabaster, kann lange im Wasser liegen und auch nach Monaten in freier Atmosphäre bei Frost, Schnee und Regenwetter verliert er nicht im mindesten an Härte [49, Seite 509].

Dr. Carl Hartmann schreibt 1861: [85, Seite 401] :"Dicke gegossenen Platten solcher Gipsmasse haben eine sehr große Härte und Festigkeit, daß Sie nur durch sehr kräftige Schläge mit einem eisernen Hammer zertrümmert werden. Die Oberfläche der Abgüsse nimmt eine vorzüglich gute Politur an, und kann mit einem nassen Tuche abgewaschen werden ohne im Mindesten darunter zu leiden". Die Masse lässt sich außerdem, wie Abbildung 1 zeigt, einfärben um farbige Marmorierungen zu erhalten. In [86, Seite 239 ff] wird ausführlich die Ausführung der Arbeiten beschrieben.

Parian-Cement, Borax-Gips

Am 11. Februar 1846 meldete Vincent Bellmann ein Patent für den Parian-Cement an. Der Parian-Cement wird wie der Keene-Zement hergestellt, statt Alaunlauge wird jedoch Borax oder Boraxsäure mit Weinstein in Wasser gemischt [84, Seite 287] : "Wenn sich der Gyps vollgesogen hat, werden die Gypsstücke noch naß in den Ofen gelegt, der so geheizt ist, daß die Rothgluth bei Tage sichtbar ist. Nach 6 Stunden werden sie herausgenommen und dann gemahlen."

Und weiter : "... hat mehrere Clubhäuser in London mit dem Gypsmarmor ausgekleidet, der, was Härte und Schönheit betrifft, vom Marmor selbst kaum unterschieden werden kann, ...".

Die Mischung für Parian Cement besteht aus 1 Teil kalzinierten Borax und 44 bis 45 Teile Gips. Durch Ändern der Boraxlösung lässt sich die Erhärtungszeit verzögern. Verzögerungszeiten [138, Seite 290]:

1 Teil Boraxlösung mit 12 Teilen Wasser: 15 Minuten

1 Teil Boraxlösung mit 8 Teilen Wasser: 50 Minuten

1 Teil Boraxlösung mit 4 Teilen Wasser: 7 bis 10 Stunden

1 Teil Boraxlösung mit 1 Teil Wasser: 10 bis 12 Stunden

 


[48] Dr.Friedrich Eduard Thieme: Magazin der neuesten Erfindungen, Entdeckungen und Verbesserungen; Baumgärtners Buchhandlung Leipzig 1837

[49] Dr.L.Elsner in Richard Felix Marchand: Journal für praktische Chemie; Verlag Johann Ambrosius Barth Leipzig 1844

[84] Johann Gottfried Dingler : Polytechnisches Journal Band 122; Verlag der J.G. Gotta'schen Buchhandlung Stuttgart 1851

[85] Dr. Carl Hartmann: Vollständiges Handbuch der Steinarbeiten; Verlag Friedr. Voigt Weimar 1862

[86] Rudolph Gottgetreu: Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien; Verlag von Julius Springer Berlin 1869

[138] Rudolph Gottgetreu: Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien Zweiter Band; Verlag Julius Springer Berlin 1875